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Ente gut, alles gut? – über Schnecken und Lösungsansätze

März 12, 2012 | by Ulrike

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 2010 war ein Jahr  wie jedes andere auch davor. Fast. Wir säten wie
immer unsere Gemüsesamen, sie keimten und junge Pflänzchen schauten aus dem
gelockerten Erdreich hervor. Im Unterschied zu den Vorjahren jedoch hatten wir
uns intensiv mit der Zusammensetzung von diversen Schneckenködern
auseinandergesetzt und befunden, dass wir diese nicht mehr ausstreuen wollten.
Der Versuch, eigene Schneckenbrühe anzusetzen und rund um die Beete zu gießen
war wegen des ekligen Gestankes rasch wieder beendet worden. Ergebnis: hat zwar
gewirkt, aber wir wollten uns auch nicht mehr dort aufhalten. Die Variante,
Bleche aufzustellen ist für eine Anlage unserer Größe zu kostspielig und
außerdem schien sie mir auch gefährlich. Wenn wir barfuss durch die Wiese
laufen, so ist die Verletzungsgefahr einfach zu groß. Die Schneckenkornvariante
ist zwar angeblich gut umweltverträglich, aber 100%ig überzeugt bin ich davon
nicht geworden, dass sich diese Substanzen nur auf die Schnecken auswirken. Und
wie sie auf andere Lebewesen dann wirkt, wenn sie die Kadaver von ihnen
fressen, dass ist auch nicht beschrieben. Folglich beschränkten wir uns auf
Absammeln und Entsorgen.
Und dann geschah es. Es regnete und regnete und regnete… . Eine wahre Schneckeninvasion
machte sich breit. Jeden Tag sammelten wir mindestens einen ganzen Kübel voll
und trotzdem vernichteten sie alle unsere jungen Pflänzchen. Aber nicht nur
dass, auch etliche alt eingesessene Stauden und  Beerensträucher wurden
komplett verputzt. 3x säten wir noch nach, und wieder war alles erfolgreich in
ihrem Magen verschwunden.
Ab da stand es für uns fest: wir wollen uns Laufenten zulegen. Nicht auf
Miete, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das den
Tieren gut tut. Nein, sie sollten einen fixen Platz in unserem Leben bekommen.
Gesagt, getan. Ein Entenstall war rasch aus Recyclingmaterial und ein paar
neuen Brettern zusammengebaut. Siehe: http://selbstversorgergarten.blogspot.com/2011/01/huhnervilla-und-entenheimen.html

Nach einer kleinen Internetrecherche fanden wir den Entenhalter unseres
Vertrauens und schon fuhren wir nach Graz, um unsere 3 zukünftigen Mitbewohner
abzuholen. Zu Hause inspizierten sie erst einmal ihr Schlafgehege und den
Stall. Ungefähr eine Woche später hatten wir das Gefühl, dass sie sich ganz gut
an uns gewöhnt hatten und ließen sie den ersten Großausflug machen. Stück für
Stück eroberten sie den Garten. Wir stellten in 20m Abstand Wassergefäße für
sie auf, welche sie dankbar annahmen. Das Wasserangebot ist, da sie es zum
Schlucken ihrer Nahrung brauchen, ein wichtiger Bestandteil der Entenhaltung.
Damit sie sich wirklich wohl fühlen können, haben wir ihnen auch ein paar
Wasserbecken zum Schwimmen und Tauchen gegraben. Diese müssen natürlich auch gereinigt
werden, da sie ziemlich schnell verschmutzt sind. Enten sind nämlich ziemliche
Ferkel.
Nach eineinhalb Jahren Entenhaltung kommen wir nun zu folgendem Schluss:
Laufenten eignen sich bestens zur Schneckenabwehr. Allerdings sollte man
sich gründlich überlegen, wie viele man sich zulegt und wie groß das
Nahrungsangebot ist, dass man ihnen zu bieten hat. Sind nämlich alle Schnecken
in ihrem Bauch verschwunden, dann sehen sie sich nach anderen Leckerbissen um
und dann kann es durchaus sein, dass dann wieder das Gemüse daran glauben muss.

Bis letzten Sommer hatten wir drei auf unseren 4000m², welche sich
eigentlich nur um die Schnecken gekümmert und Wiesenkräuter gezupft haben. Nur
die Erdbeeren musste ich mit einem Netz abdecken. Salat und anderes Gemüse
waren uninteressant für sie, da ein großes Angebot an Löwenzahn und anderen
Wiesenkräutern vorhanden war. Dann aber kam ein Entchen aus Eigenbrut dazu und
seit dieser kleine Frechdachs da war, wurde alles gekostet. Der Salatnachbau
musste daran glauben – den werden wir in Zukunft wohl auch abdecken – und auch
Blattkohl fand ihre Begeisterung, für den flogen sie sogar im Winter an den
Stängeln hoch. Ebenso haben sie ihre Liebe zum Mangold entdeckt, den habe ich
abdecken müssen sonst wäre er weg gewesen. Aber das alles erst wie gesagt seit
unser Jungentchen auf der Welt ist. Seit dem gab es dann kaum noch Schnecken
und andere Wiesenleckereien. Schlussfolgerung: 4 sind wahrscheinlich zu viele
und sicher ist, das Jungtiere in ihrer Neugier einfach alles fressen, die Alten
ziehen dann mit. Es sind sogar zwei Bilsenkrautpflanzen komplett in ihrem Magen
verschwunden. So suchen wir jetzt für die Kleine ein gutes neues Zuhause. Der
Erfahrung nach ändert sich nämlich ihr Verhalten nach der „Rüpelphase“.

Zusammenfassend kommen wir zu folgendem Schluss:
Laufenten sind lustige,
gesellige Tiere, die durchaus auch Anschluss an ihren Menschen finden können.
Sie erhellen den trübsten Tag mit ihrem Geschnatter, helfen bei den
verschiedensten Arbeiten als Bodentrupp mit und sind auch für Kinder als
Lehrmeister zum Umgang mit Tieren geeignet, sind allerdings keine
Streicheltiere. Diese Vögel haben sich auch als äußerst winterrobust erwiesen.
Sie lieben es, im Schnee herumzuwatscheln. Nur über die zugefrorenen
Wasserstellen waren sie nicht so erfreut, diese mussten wir öfters auftauen.
Größtenteils sorgen sie selbst Tagsüber für ihr Futter. Nur am Abend (und natürlich im Winter) verlangen
sie nach Körnern, was nicht zu überhören ist. Die Schneckenplage ist
vollständig verschwunden, das Gemüse mußten wir aber teilweise schützen.
Eines gebe ich noch zu bedenken mit: Laufentenmädel sind ziemliche
Schreihälse, die laut artikulieren, wenn sie irgendwo hinaus, hinein oder sonst
irgendetwas von dir wollen wie zum Beispiel zusätzliches Futter. Anfangs waren
sie sogar der Meinung, dass ich ihnen die Schnecken suchen sollte und ihnen
zuwerfen. Also aufpassen, wer dann wen „erzieht“ 😉

http://www.use-roses.com/ 

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